Als Kind Gottes leben

In manchen Gesprächen der letzten Woche stellte ich fest, dass für etliche unserer Zeitgenossen der heutige Wahlgang eher einem Qualgang gleicht. Dabei ist die Möglichkeit, in einer, geheimen und freien Bundestagswahl über die Regierung der nächsten vier Jahre abzustimmen, eines der höchsten Güter einer Demokratie. Keiner zwingt uns zur Wahl. Die Ergebnisse stehen auch nicht vorher fest, wie dies z.B. in der DDR der Fall war oder in anderen Diktaturen dieser Welt. Die Teilnahme an der heutigen Bundestagswahl ist nicht Pflichtprogramm für müde Deutsche, sondern ein unendlich hohes und kostbares Gut einer freiheitlichen Demokratie.

Nicht jeder der in Deutschland lebt, darf auch zur Wahl gehen. Wahlberechtigt zur Bundestagswahl sind alle Deutschen, die am Wahltag

1. das 18. Lebensjahr vollendet haben,

2. seit mindestens drei Monaten in der Bundesrepublik Deutschland eine Wohnung innehaben oder sich sonst gewöhnlich aufhalten

Nicht nur für eine Bundestagswahl gibt es ganz bestimmte Kriterien, die man zu erfüllen hat, um wahlberechtigt zu sein, nach Johannes gibt es auch ganz bestimmte Kennzeichen, die uns als Christen und Kinder Gottes ausweisen. 1. Johannes 2, Vers 29 bis 3, Vers 24 (Einheitsübersetzung): Wenn ihr wißt, daß er gerecht ist, erkennt auch, daß jeder, der die Gerechtigkeit tut, von Gott stammt. Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es. Die Welt erkennt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat. Liebe Brüder, jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, daß wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.

Jeder, der dies von ihm erhofft, heiligt sich, so wie Er heilig ist. Jeder, der die Sünde tut, handelt gesetzwidrig; denn Sünde ist Gesetzwidrigkeit. Ihr wißt, daß er erschienen ist, um die Sünde wegzunehmen, und er selbst ist ohne Sünde. Jeder, der in ihm bleibt, sündigt nicht. Jeder, der sündigt, hat ihn nicht gesehen und ihn nicht erkannt. Meine Kinder, laßt euch von niemand in die Irre führen! Wer die Gerechtigkeit tut, ist gerecht, wie Er gerecht ist. Wer die Sünde tut, stammt vom Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an. Der Sohn Gottes aber ist erschienen, um die Werke des Teufels zu zerstören. Jeder, der von Gott stammt, tut keine Sünde, weil Gottes Same in ihm bleibt. Er kann nicht sündigen, weil er von Gott stammt. Daran kann man die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels erkennen: Jeder, der die Gerechtigkeit nicht tut und seinen Bruder nicht liebt, ist nicht aus Gott.

Denn das ist die Botschaft, die ihr von Anfang an gehört habt: Wir sollen einander lieben und nicht wie Kain handeln, der von dem Bösen stammte und seinen Bruder erschlug. Warum hat er ihn erschlagen? Weil seine Taten böse, die Taten seines Bruders aber gerecht waren. Wundert euch nicht, meine Brüder, wenn die Welt euch haßt. Wir wissen, daß wir aus dem Tod in das Leben hinübergegangen sind, weil wir die Brüder lieben. Wer nicht liebt, bleibt im Tod. Jeder, der seinen Bruder haßt, ist ein Mörder, und ihr wißt: Kein Mörder hat ewiges Leben, das in ihm bleibt. Daran haben wir die Liebe erkannt, daß Er sein Leben für uns hingegeben hat. So müssen auch wir für die Brüder das Leben hingeben. Wenn jemand Vermögen hat und sein Herz vor dem Bruder verschließt, den er in Not sieht, wie kann die Gottesliebe in ihm bleiben? Meine Kinder, wir wollen nicht mit Wort und Zunge lieben, sondern in Tat und Wahrheit.

Daran werden wir erkennen, daß wir aus der Wahrheit sind, und werden unser Herz in seiner Gegenwart beruhigen. Denn wenn das Herz uns auch verurteilt - Gott ist größer als unser Herz, und er weiß alles. Liebe Brüder, wenn das Herz uns aber nicht verurteilt, haben wir gegenüber Gott Zuversicht; alles, was wir erbitten, empfangen wir von ihm, weil wir seine Gebote halten und tun, was ihm gefällt. Und das ist sein Gebot: Wir sollen an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben, wie es seinem Gebot entspricht. Wer seine Gebote hält, bleibt in Gott und Gott in ihm. Und daß er in uns bleibt, erkennen wir an dem Geist, den er uns gegeben hat.

Je nachdem, wo wir beim Zuhören oder besser noch beim Mitlesen hängen geblieben sind, werden wir uns entweder ermutigt oder erdrückt, gestärkt oder geängstigt fühlen.

Johannes ist wieder bei seinen beiden großen Themen angelangt, die den gesamten Brief durchziehen: der Sünde einerseits und der Bruderliebe andererseits.

An der Art und Weise, wie wir es mit der Sünde und der Bruderliebe halten, lässt sich für Johannes unmissverständlich erkennen, wes Geistes Kind wir sind.

Den Frühesoterikern – der damaligen Gnosis – den angeblichen Gotteskennern, die gleichzeitig waschechte Christusleugner waren und auf ihr Wissen und ihre Erkenntnis pochten, setzt Johannes in diesen Versen kraftvolles biblisches Wissen entgegen.

Vers 2: Wir wissen, daß wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.

Vers 14: Wir wissen, daß wir aus dem Tod in das Leben hinübergegangen sind, weil wir die Brüder lieben.

Der scheinbaren Erkenntnis der Irrlehrer setzt er geistliche Erkenntnis entgegen. Viermal heißt es in diesen Versen:

Vers 10: Daran kann man die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels erkennen

Vers 16: Daran haben wir die Liebe erkannt, daß Er sein Leben für uns hingegeben hat.

Vers 19: Daran werden wir erkennen, daß wir aus der Wahrheit sind, und werden unser Herz in seiner Gegenwart beruhigen.

Vers 24: Und daß er in uns bleibt, erkennen wir an dem Geist, den er uns gegeben hat.

Und dem abstrakten Theoretisieren über Gott und die Welt, gepaart mit einem egozentrischen Individualismus, setzt er die Lebenspraxis des Glaubens und der Nachfolge Christi entgegen.

Vers 29: Wenn ihr wißt, daß er gerecht ist, erkennt auch, daß jeder, der die Gerechtigkeit tut, von Gott stammt.

Vers 7: Wer die Gerechtigkeit tut, ist gerecht, wie Er gerecht ist.

Vers 10: Jeder, der die Gerechtigkeit nicht tut und seinen Bruder nicht liebt, ist nicht aus Gott.

Vers 24: Wer seine Gebote hält, bleibt in Gott und Gott in ihm.

Diese drei Stichworte durchziehen das dritte Kapitel des ersten Johannesbriefes: Wissen – Erkennen und Tun!

Ein Wissen ohne nachhaltige Erkenntnis, die nicht zu konkreten Schritten der Nachfolge und der Liebe führt, ist für Johannes undenkbar und nichts weiter als leeres Geschwätz. Johannes könnte hier auch mit Jakobus sagen, (Jakobus 2, Vers 14 bis 26) Glaube ohne Werke ist tot!

Wissen – Erkennen und Tun! Darauf kommt es Johannes an.

Bevor sich Johannes in seiner ihm ganz eigenen Art über Sünde und Heiligung, Lieben und Hassen auslässt und dabei wieder mit einfachen starken Bildern und Gegensätzen arbeitet, beginnt er mit einer wirklich guten und befreienden Nachricht.

1. Kinder Gottes sind Fremdlinge

1. Johannes 3, Vers 1 bis 2 (Einheitsübersetzung): Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es. Die Welt erkennt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat. Liebe Brüder, jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, daß wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.

Hier geht es um erheblich mehr als eine Wahlberechtigung. Es geht um alles oder nichts, Leben oder Tod. Es geht um unsere Ewigkeit bei Gott. Kinder Gottes haben Zukunft und deshalb sind wir Hoffnungsträger.

Als Christen sind wir von Gott als Kinder adoptiert. Durch den Glauben an Jesus haben wir nicht nur das Recht, uns Kinder Gottes nennen zu dürfen, sondern wir sind es auch buchstäblich und tatsächlich. Johannes 1, Vers 12 bis 13 (Einheitsübersetzung): Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.

Kind Gottes zu sein ist unsere Berufung als Christen, unverdient und geschenkt. Damit sind wir zugleich auch so etwas wie „Außerirdische“ für diese Welt. Wir sind als Christen eben schon jetzt Bürger der kommenden und der neuen Welt Gottes. In dieser Welt und Zeit sind wir nur auf Durchreise. Unser Ziel trägt einen Namen: Jesus Christus. Wenn er kommt, wenn Jesus wiederkommt, bekommen wir einen neuen Leib, einen Auferstehungsleib, und wir werden als die Seinen von Allen erkannt.

Die Tatsache, dass wir als Christen von der Welt nicht verstanden werden, und das zeigt sich ja eben im Unverständnis unserer unfrommen Zeitgenossen, wenn wir als Christen von unseren Werten, Idealen und unserer Hoffnung reden; wie Fremdkörper durch unseren Lebensstil erscheinen, ist für Johannes das erste von insgesamt vier Kennzeichen unseres Christenstandes. Jesus selbst hat sogar vom Hass der Welt auf uns Christen gesprochen (siehe Johannes 17, Verse 14 bis 18).

Deshalb halte ich es für utopisch und theologisch auch äußert fragwürdig, wenn eine Partei mit dem Anspruch auftritt, allein mit der Bibel Politik machen zu wollen. Die PBC hat das Ziel, Gottes ewig gültiges Wort zur Richtschnur nicht nur für das private Leben der Bürger, sondern auch für die Politik unseres Landes werden zu lassen.

Es wird in keinem Land dieser Welt jemals einen christlichen Staat geben. Als Christen werden wir niemals für die Mehrheit tragfähig sein. Wir sind Außenseiter, Fremdkörper, Bürger der kommenden Welt Gottes und unsere Werte und Ziele, unsere Überzeugungen und unsere Lebenspraxis ist für die Mehrheit der Bevölkerung anstößig und fragwürdig.

Dennoch sind und bleiben wir als Christen von Jesus selbst in diese Welt gesandt. Aber als Kinder Gottes können wir nicht mehr Teil dieser Welt sein. Wir haben einen anderen Geist. Wir folgen nicht dem Zeitgeist und auch nicht dem Geist dieser Welt, sondern dem Heiligen Geist. Wir sind als Kinder Gottes anderen Geboten verpflichtet. Wir müssen Gott mehr gehorchen als den Menschen. Wachstum, Wohlstand und Materialismus sind nicht unsere Werte und Ziele als Christen. Einer meiner theologischen Lehrer hat einen steilen Satz gewagt, den ich nie vergessen habe: „Wenn wir als Christen so leben würden, wie Jesus es von uns erwartet, hätten wir schon längst eine Christenverfolgung!“

Für Johannes zeigt sich unser Fremdsein gerade auch im Umgang mit der Sünde.

2. Kinder Gottes leben anders

1. Johannes 3, Vers 3 bis 10 (Einheitsübersetzung): Jeder, der dies von ihm erhofft, heiligt sich, so wie Er heilig ist. Jeder, der die Sünde tut, handelt gesetzwidrig; denn Sünde ist Gesetzwidrigkeit. Ihr wißt, daß er erschienen ist, um die Sünde wegzunehmen, und er selbst ist ohne Sünde. Jeder, der in ihm bleibt, sündigt nicht. Jeder, der sündigt, hat ihn nicht gesehen und ihn nicht erkannt. Meine Kinder, laßt euch von niemand in die Irre führen! Wer die Gerechtigkeit tut, ist gerecht, wie Er gerecht ist. Wer die Sünde tut, stammt vom Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an. Der Sohn Gottes aber ist erschienen, um die Werke des Teufels zu zerstören. Jeder, der von Gott stammt, tut keine Sünde, weil Gottes Same in ihm bleibt. Er kann nicht sündigen, weil er von Gott stammt. Daran kann man die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels erkennen: Jeder, der die Gerechtigkeit nicht tut und seinen Bruder nicht liebt, ist nicht aus Gott.

Steile Sätze, die geradezu unseren Widerspruch herausfordern und auch durch unsere Lebenspraxis widerlegt werden.

Hier wäre es jetzt wichtig, zurückzuschlagen und den 8. Vers des ersten Kapitels noch einmal zu lesen: Wenn wir sagen, daß wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre, und die Wahrheit ist nicht in uns.

Johannes stellt uns in seinem Brief in diese gewaltige Spannung, dass er behauptet: Kinder Gottes sind sündlos und sündigen! Diesen Widerspruch löst er auch nicht auf.

Vielleicht können wir uns aber so helfen? Im ersten/zweiten Kapitel spricht Johannes seelsorgerlich mit Christen über die Sünde, die daran leiden, dass sie immer wieder versagen und schuldig werden und ständig von ihrem schlechten Gewissen gequält werden. Hier im dritten Kapitel wendet sich Johannes den Christen zu, die es allzu leicht mit der Sünde nehmen und immer wieder auf andere verweisen und sagen: „Wieso? Das tun doch alle?“ und sich keinerlei Gewissen mehr machen.

Es ist eine geistliche Tatsache, die sich auch immer wieder in der seelsorgerlichen Praxis bestätigt, dass Christen, die um ihre Schuld wissen, es sehr ernst mit der Nachfolge meinen und sich selbstkritisch hinterfragen. Eine der Hauptaufgaben des Heiligen Geistes ist laut Jesus (Johannes 16, Vers 8) Sünde aufzudecken. Wenn Christen ihre Schuld erkennen und ihre Sündhaftigkeit wahrnehmen, sind sie in aller Regel auch geistlich gesund.

Demgegenüber ist das, was Johannes hier schreibt ein Alarmzeichen: Da nehmen Christen ihre Sündhaftigkeit nicht mehr war. Sie nennen Sünde nicht mehr Sünde. Ihr Gewissen schlägt nicht mehr an. Sie lassen sich vom Zeitgeist bestimmen. Sie fragen nicht nach dem Willen Gottes, sondern nur nachdem, was Spaß macht. Sie lassen sich von ihren Trieben treiben. Da wird Sünde schön geredet und Schwarzarbeit z.B. nicht mehr als Diebstahl betrachtet, sondern als Gelegenheit verstanden.

Es geht bei diesen Versen – anders als im ersten/zweiten Kapitel, wo man nicht sündigen wollte, aber dennoch schuldig wurde, - um ein gewolltes und absichtliches Sündigen, um ein Leben in der Sünde, um ein Dranfesthalten.

Johannes spitzt diesen Absatz zusammen mit dem Satz: Daran kann man die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels erkennen: Jeder, der die Gerechtigkeit nicht tut und seinen Bruder nicht liebt, ist nicht aus Gott zugleich leitet er damit zu seinem nächsten großen Thema, der Bruderliebe über.

Er stellt die Kinder Gottes den Kindern des Teufels gegenüber und sagt: Einen Christen erkennt man daran, dass er die Gerechtigkeit tut und seine Mitchristen liebt. Beim Tun der Gerechtigkeit geht es um nichts anders als um ein Leben der Heiligung, der Nachfolge, ein Leben nach den Geboten Gottes.

Erschreckend und geradezu aufweckend ist dabei die Tatsache, dass sich die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels für Johannes in der Gemeinde befinden und nicht, wie wir etwa denken, zwischen Gemeinde und Welt. Er schreibt ja seinen Brief an die christlichen Gemeinden Kleinasiens.

Mit diesem Vers kommt er auch wieder an seinen Anfang zurück, Wenn ihr wißt, daß er gerecht ist, erkennt auch, daß jeder, der die Gerechtigkeit tut, von Gott stammt.

Wissen – Erkennen und Tun! Darauf kommt es Johannes an. Nicht der äußere Schein soll uns blenden oder vom anderen abhalten, sondern wenn der andere sich durch ein Leben als Christ ausweist, haben wir ihn auch als Bruder oder Schwester anzunehmen, auch wenn sein Äußeres uns vielleicht nicht behagt.

3. Kinder Gottes lieben einander

1. Johannes 3, Vers 11 bis 18 (Einheitsübersetzung): Denn das ist die Botschaft, die ihr von Anfang an gehört habt: Wir sollen einander lieben und nicht wie Kain handeln, der von dem Bösen stammte und seinen Bruder erschlug. Warum hat er ihn erschlagen? Weil seine Taten böse, die Taten seines Bruders aber gerecht waren. Wundert euch nicht, meine Brüder, wenn die Welt euch haßt. Wir wissen, daß wir aus dem Tod in das Leben hinübergegangen sind, weil wir die Brüder lieben. Wer nicht liebt, bleibt im Tod. Jeder, der seinen Bruder haßt, ist ein Mörder, und ihr wißt: Kein Mörder hat ewiges Leben, das in ihm bleibt. Daran haben wir die Liebe erkannt, daß Er sein Leben für uns hingegeben hat. So müssen auch wir für die Brüder das Leben hingeben. Wenn jemand Vermögen hat und sein Herz vor dem Bruder verschließt, den er in Not sieht, wie kann die Gottesliebe in ihm bleiben? Meine Kinder, wir wollen nicht mit Wort und Zunge lieben, sondern in Tat und Wahrheit.

Kinder Gottes sind für Johannes an ihrer Weltfremdheit – nicht Weltflucht! -, ihrer Heiligung und ihrer Bruderliebe erkennbar.

Dabei geht es Johannes nicht um Sympathie oder Antipathie, sondern um die von Gott geschenkte Liebe, die sich in der Zuwendung zum Mitchristen konkret zeigt. So wie sich in unserem Lebensstil zeigt, wes Geistes Kind wir sind, so eben auch in unserem Umgang als Christen untereinander.

Kinder Gottes sind als Fremdkörper in dieser Welt erkennbar. Sie leben anders. Sie leben nach den Geboten Gottes, und sie gehen anders miteinander um. Für Johannes bedeutet, seinen Mitchristen nicht zu lieben, ihn zu hassen! Es geht hier nicht um liebevolle Gefühle, sondern um die von Gott geschenkte Liebe, die sich in der aktiven Hingabe Jesu für uns zeigt. Christus ist der Maßstab unserer Liebe! So wie er sich für uns hingab, sollen wir bereit sein für den anderen unser Leben einzusetzen.

Im Sommer 1941 wurden im KZ Auschwitz zehn Gefangene ausgewählt, die umgebracht werden sollten. Ein Mann war sehr verzweifelt. Da trat Maximilian Kolbe hervor und erklärte: „Ich bin Priester. Ich möchte für diesen Mann sterben.“ Der Kommandant war einverstanden, und so wurde Pater Kolbe anstelle des Mannes ermordet.

© Leben im Licht Gottes, Treffpunkt Bibel 4/2005, Seite 22

Zum Schluss wird Johannes ganz konkret und spricht von finanzieller Hilfe für Not leidende Christen durch die Finanzstarken in der Gemeinde. Liebe zeigt sich für Johannes in konkreten Taten und manchmal eben auch in klingenden Münzen.

4. Kinder Gottes sind zuversichtlich

1. Johannes 3, Vers 19 bis 24 (Einheitsübersetzung): Daran werden wir erkennen, daß wir aus der Wahrheit sind, und werden unser Herz in seiner Gegenwart beruhigen. Denn wenn das Herz uns auch verurteilt - Gott ist größer als unser Herz, und er weiß alles. Liebe Brüder, wenn das Herz uns aber nicht verurteilt, haben wir gegenüber Gott Zuversicht; alles, was wir erbitten, empfangen wir von ihm, weil wir seine Gebote halten und tun, was ihm gefällt. Und das ist sein Gebot: Wir sollen an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben, wie es seinem Gebot entspricht. Wer seine Gebote hält, bleibt in Gott und Gott in ihm. Und daß er in uns bleibt, erkennen wir an dem Geist, den er uns gegeben hat.

Zum Schluss schlägt Johannes wieder seelsorgerliche Töne an. Wenn das Herz uns auch verurteilt, leben wir vom Erbarmen Gottes, dass sich in Christus gezeigt hat. Auch wenn wir uns der Welt wieder einmal angepasst haben, wieder einmal schuldig geworden sind und es mit der Liebe nicht geklappt hat, wir dürfen wieder neu anfangen und von seiner Vergebung leben.

Johannes beendet das 3. Kapitel wieder mit seinem Lieblingswort „Bleiben“. Wenn wir seine Gebote halten, bleiben wir in Gott, geben uns als Kinder Gottes zu erkennen. Dass Gott in uns bleibt, erkennen wir am Heiligen Geist, der uns gegeben ist, der uns diese tiefe Gewissheit schenkt, dass wir tatsächlich nicht nur Kinder Gottes heißen, sondern es sind. Der uns Kraft gibt, als Fremde in der Welt leben zu können, anders, als Christen, als Heilige leben zu können und die Liebe ist durch den Heiligen Geist – wie Paulus schreibt, Römer 5, Vers 8 – ausgegossen in unsere Herzen. Daran sind wir zu erkennen als Kinder Gottes:

- an unserer Fremdheit

- an unserem Lebensstil als Heilige

- an unserer Liebe untereinander

- und am Heiligen Geist durch dessen Kraft wir leben

Jetzt haben wir drei Möglichkeiten:

- Wir klappen die Bibel zu und sagen Amen.

oder

- Wir resignieren und sagen, das schaffen wir nicht.

oder

- Wir sagen Ja, ja, so wollen wir leben durch die Kraft des Heiligen Geistes:

o als Fremde, aber nicht als Sonderlinge

o als Heilige, aber nicht als Sektierer

o als Liebende, aber nicht als Fordernde

als Kinder Gottes eben, als Kinder unseres Vaters im Himmel erkennbar sein.

Wir haben die Wahl!



Krefeld, den 18. September 2005
Pastor Siegfried Ochs



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