Gemeinschaft entdecken

Am Freitag fand ich in meinem elektronischen Briefkasten wieder einmal eine Nachricht, mit der ich auf den ersten Blick überhaupt nichts anfangen konnte.

Der Absender war mir völlig unbekannt, und wenn in der Betreffszeile nicht Rheinische Landesausstellung gestanden hätte, wäre ich mit dieser Email wie mit vielen anderen Werbemails umgegangen und hätte diese Nachricht einfach gelöscht.

Als ich den elektronischen Brief dann öffnete, gab es weder eine Anrede noch einen Inhalt. Lediglich einen mir unbekannten Absender und einen Anhang, der alles weitere enthielt. Außerdem stellte ich fest, dass nicht nur ich der Empfänger dieser Nachricht war, sondern noch 13 weitere Personen.

Ähnliche Überraschungen können wir auch erleben, wenn wir uns heute und in den nächsten Wochen mit den drei Johannesbriefen beschäftigen.

1. Johannes 1, Vers 1 bis 7a (Einheitsübersetzung): Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefaßt haben, das verkünden wir: das Wort des Lebens. Denn das Leben wurde offenbart; wir haben gesehen und bezeugen und verkünden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns offenbart wurde. Was wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir auch euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt. Wir aber haben Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Wir schreiben dies, damit unsere Freude vollkommen ist.

Das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkünden: Gott ist Licht, und keine Finsternis ist in ihm. Wenn wir sagen, daß wir Gemeinschaft mit ihm haben, und doch in der Finsternis leben, lügen wir und tun nicht die Wahrheit. Wenn wir aber im Licht leben, wie er im Licht ist, haben wir Gemeinschaft miteinander.

Auch dieser Brief ist für so manche Überraschung gut. Auch hier gibt es weder eine Anrede, ja noch nicht einmal einen Absender, der sich uns mit Namen oder Position vorstellt. Der Schreiber kommt sofort und ohne den üblichen Briefaufbau zur Sache.

Doch nicht nur darin unterscheiden sich die Johannesbriefe von den Paulusbriefen, sondern auch in der Art und Weise des Schreibens selbst. Während Paulus sich immer wieder darum bemüht, seine Aussagen zu begründen und sie so seinen Lesern nahe zu bringen, stellt Johannes die entscheidenden Wahrheiten in kurzen, radikalen und ganz einfachen Sätzen zusammen. Dabei verzichtet er auf jegliche Begründung oder Erklärung seiner Aussagen.

Die drei Briefe des Johannes sind in Sprache, Stil und Inhalt von auffallender Eigenart. Jeder Bibelleser merkt das schnell. Johannes schreibt ganz anders als Paulus. Auch mit Petrus oder Jakobus läßt sich Johannes nicht vergleichen. Diese Eigenart weist uns auf den Reichtum des Neuen Testamentes hin. Gott hat der Gemeinde in ihrem grundlegenden Buch eine lebendige Fülle von Zeugen geschenkt. Jeder von ihnen darf ganz sein, was er in seiner Person und nach seiner eigenen Geschichte ist. Und Keiner ist gegen die anderen zurückzustellen.

© Werner de Boor, Die Briefe des Johannes, Seite 11

Gott liebt es eben bunt und vielfältig! Für ihn bedeuten die Unterschiede Reichtum und Fülle! Johannes hat dabei aber kein anderes Evangelium als Paulus!

Auch wenn Johannes sich in diesem Brief nicht namentlich vorstellt, so ist auch für den einfachen Bibelleser die Übereinstimmung im Stil und in der Anschauungswelt zwischen den drei Briefen und dem 4. Evangelium so sichtbar, daß an der Identität des Verfassers nicht gezweifelt werden kann.

© Werner de Boor, Die Briefe des Johannes, Seite 11

Auch wenn die Verfasserfrage mit Johannes (2.Joh 1; 3.Joh 1; Joh 21, 24) eindeutig geklärt sein dürfte, ist die Frage, an wen dieser Brief adressiert war und wo und wann er geschrieben wurde, aus dem Brief selbst heraus nicht zu beantworten.

Manche meinen sogar, es handele sich beim 1. Johannesbrief eher um ein Traktat, ein Manifest für alle Christen, eine theologische Abhandlung in Briefform.

Auf jeden Fall gehören die drei Johannesbriefe und das Johannesevangelium eng zusammen: dieselbe Terminologie und derselbe Stil. Deshalb kann man annehmen, dass sie auch zeitnah entstanden sind und dieselben Empfänger hatten. Demnach wäre unser 1. Johannesbrief um 95 n.Chr. entstanden und an die Gemeinde Ephesus bzw. an die Gemeinden Kleinasiens adressiert.

Es geht in unserem Brief um die unablässige Zusammengehörigkeit von Glaube an den fleischgewordenen Sohn Gottes und die Liebe zum Bruder. Es sind Irrlehrer in der Gemeinde, die bestreiten, dass Jesus, der Sohn Gottes, wirklich wahrer Mensch war und tatsächlich gestorben ist („ins Fleisch gekommen ist“ – 1. Johannes 4, Vers 2f); sie halten sich für vollkommen und sündlos und meinen daher, keine Gebote mehr zu brauchen (1. Johannes 2, Vers 4).

© Gottfried Steffens, Neues Testament – Die Johannesbriefe, Seite 1

1. Johannes 1, Vers 1 bis 4 (Einheitsübersetzung): Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefaßt haben, das verkünden wir: das Wort des Lebens. Denn das Leben wurde offenbart; wir haben gesehen und bezeugen und verkünden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns offenbart wurde. Was wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir auch euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt. Wir aber haben Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Wir schreiben dies, damit unsere Freude vollkommen ist.

Was erfüllt Johannes so stark, dass er sich mit der üblichen Briefform: Absender, Empfänger, Anrede nicht aufhält, sondern mit seinem ersten Satz sofort zum Eigentlichen kommt? Ja, er ist so übersprudelnd in seinem Bericht, dass er sich selbst im 2. Vers erst einmal staunend unterbrechen muss, um den angefangenen Gedanken im 3. Vers wieder aufzugreifen und zu Ende zu führen.

Es geht um das Wort des Lebens, um das Woher und Wozu, um Sinn und Ziel des Menschseins. In seinem Evangelium beschreibt er es so, Johannes 1, Vers 14 (Einheitsübersetzung): Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.

Johannes beginnt mit einer Sache, die uns alle angeht. Er hat uns zu sagen, „was von Anfang war“. Auf den „Anfang“ der Welt werden wir verwiesen: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde,“ Aber dieser „Anfang“ ist nicht nur der zeitliche Beginn. Die Lateiner gaben das griechische Wort mit „principium“ wieder. Das Wort „Prinzip“ ist uns geläufig. „Was von Anfang war“, das ist nicht nur das „Anfängliche“, sondern auch das „Prinzipielle“, das Grundlegende, Ursprüngliche, Wesentliche. Es ist das, was „vor Grundlegung der Welt“ da war und allem Dasein zugrunde liegt.

Hier ist die Antwort auf die Frage, die jeden Menschen umtreibt: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Was sind Sinn und Ziel meines Lebens?

Johannes antwortet darauf und nennt das, „was von Anfang war“, am Schluss des Satzes „das Wort des Lebens“. Es ist das lebendige Wort, aus dem das Leben spricht und das deshalb Leben bringt.

So wie das Schöpfungswort Gottes die Welt erschuf, so ruft dieses Wort ins wirkliche Leben. Wer dieses fleischgewordene Wort, wer Jesus Christus annimmt, wird leben!

Das Wort des Lebens – Jesus selbst – fleischgewordenes Wort, wirkliches und ewiges, eben göttliches Leben wurde offenbart.

Nicht die menschliche Intelligenz hat das erkannt, kein Einstein und auch keiner der Philosophen. Auch nicht die religiöse Anstrengung durch Askese oder Versenkung hat dieses Geheimnis ans Licht gebracht. Vielmehr hat sich Gott selbst in Jesus bekannt gemacht, offenbart und sich den Aposteln als Augen- und Ohrenzeugen vorgestellt.

Dreimal begründet Johannes diese ungeheuerliche Botschaft vom fleischgewordenen Gott durch die Augen- und Ohrenzeugen der Apostel.

Biblische Botschaft ist keine abstrakte Theorie, sondern handfest, Fleisch geworden, wurde erlebt und erfahren, angefasst, gehört und gesehen! Die Apostel sind die Urzeugen, die mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Ohren gehört haben, von dessen Zeugnis die glaubende Gemeinde aller Zeiten lebt. Es ist erfüllte Freude, diese Botschaft der Gemeinde weiterzugeben und die Gemeinde bei der klaren, ursprünglichen Botschaft zu erhalten.

...Apostel verkündigen das, was sie in realer Weise in geschichtlichen Tatsachen „gesehen und gehört haben“.

© Werner de Boor, Die Briefe des Johannes, Seite 24 und 29

Das Wort des Lebens wird verkündigt, das ewige Leben wird gepredigt, damit die Christen in Kleinasien von damals und die Christen von heute auf Grund dieser apostolischen Verkündigung Gemeinschaft mit Gott und untereinander haben können.

Gemeinschaft – koinonia – bedeutet Anteilnehmen und Anteilgeben. Was zunächst nur die Apostel als Offenbarung des Lebens empfangen hatten, das „teilen“ sie nun mit uns, so dass auch wir daran Anteil bekommen. Die Glaubenden haben das Leben, das ewig ist, nicht weniger als die Apostel.

Der Glaube ist aber kein ruhender Besitz, den man einmal ergreift, um ihn dann unangefochten zu haben. Die Empfänger des Briefes stehen in Anfechtung. Sie sollen von der einfachen apostolischen Verkündigung losgemacht und zu neuen, „höheren“ Erkenntnissen geführt werden. Deshalb verkündigt Johannes so eindringlich und überdeutlich die Grundlagen des Evangeliums.

© Werner de Boor, Die Briefe des Johannes, Seite 30

Christliche Gemeinschaft entsteht nach Johannes also durch die glaubende Reaktion auf die apostolische Verkündigung! Der Glaube kommt eben aus der Predigt, wie auch Paulus schreibt!

Am fleischgewordenen Wort des Lebens, am gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus vorbei, gibt es keine christliche Gemeinschaft. Da kann es zu einem menschlichen Miteinander kommen, zu Sympathie oder auch manchmal zu Antipathie, aber niemals zu dieser Dreiecksbeziehung, die die Grundlage einer christlichen Gemeinde von Glaubenden ist:

- die Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn

- und so und nur so, eben auch zur Gemeinschaft untereinander

Nicht die Frage, ob ich mich wohlfühle, ob mir die Lieder gefallen und mir das Gemeindeprogramm zusagt, sondern ob ich mich zu Jesus Christus bekehrt habe, dem Wort des Lebens Glauben geschenkt habe und wirklich mit Jesus lebe, entscheidet über das Miteinander einer christlichen Gemeinschaft!

1. Johannes 1, Vers 5 bis 7a (Einheitsübersetzung): Das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkünden: Gott ist Licht, und keine Finsternis ist in ihm. Wenn wir sagen, daß wir Gemeinschaft mit ihm haben, und doch in der Finsternis leben, lügen wir und tun nicht die Wahrheit. Wenn wir aber im Licht leben, wie er im Licht ist, haben wir Gemeinschaft miteinander.

Johannes führt den Gedanken mit der Gemeinschaft weiter aus und bringt es auf den Punkt!

Wenn wir behaupten mit Gott – der Licht ist – Gemeinschaft zu haben, aber in Wahrheit eben doch mit der Finsternis unsere Geschäfte machen, dann lügen wir und haben weder Gemeinschaft mit Gott noch können wir untereinander als Christen Gemeinschaft haben.

Sünde trennt uns von Gott und nicht nur von Gott. Sie zerstört auch die christliche Gemeinschaft! Denn Gott ist Licht und Gott ist die Liebe. Gott ist heilig und rein. Da gibt es nichts dunkles, fragwürdiges, schmutziges an oder bei Gott.

Es ist bezeichnend für Johannes, daß er die Ausdrücke „Licht“ und „Finsternis“ nicht erklärt. Er stellt sie in einfacher Mächtigkeit vor die Leser seines Briefes hin und erwartet von ihnen, daß sie selber wissen, was alles in diesen Worten liegt.

Drei Kapitel weiter wird Johannes sagen: „Gott ist Liebe (1. Johannes 4, Vers 16b).“ Das kann jetzt nicht bedeuten: Gott ist einerseits „Licht“ und ist anderseits „Liebe“. Gott ist nicht vieldeutig oder zwiespältig. Nein, Gott ist „Licht“ eben darum, weil er „Liebe“ ist. Das „Licht“, das er ist, ist kein hartes, kaltes Licht; es ist das Leuchten seiner Liebe. Aber wiederum ist gegen alle falschen Auffassungen von „Liebe“ festzuhalten, daß Gottes Liebe ein helles, reines „Licht“ ist.

Diese völlige Verbundenheit von „Licht“ und „Liebe“ läßt uns auch konkret verstehen, was mit der „Finsternis“ gemeint ist, die es in Gott nicht gibt. Entsprechend der Einheit von „Licht“ und „Liebe“ hat Johannes auch „Haß“ und „Finsternis“ verbunden (1. Johannes 2, Vers 9 und 11). So wahr es in der „Liebe“ unmöglich „Haß“ geben kann, so unmöglich kann im „Licht“ „Finsternis“ sein. So hat Johannes Gott in Jesus erfahren.

So wesenhaft unmöglich im „Licht“ zugleich „Finsternis“ sein kann, so unvereinbar ist das Bleiben in Jesus und das Geborgensein in Gott mit irgendwelcher Sünde. Das ist keine willkürliche und unnötig harte Bestimmung; das geht aus der Lichtnatur Gottes mit ganzer Notwendigkeit hervor.

Gerade in der Gemeinde Jesu, die vom „Wort“ lebt, wird viel „gesagt“. Aber es ist die schwerwiegende Frage an uns, wie sich unser „Sagen“ zur Wirklichkeit unseres Lebens - die Bibel nennt das unsern „Wandel“ - verhält.

Wir „sagen, daß wir Gemeinschaft mit ihm haben“. Diese Gemeinschaft mit ihm ist uns in Vers 3 als das Ziel der apostolischen Wirksamkeit gezeigt worden. Wir sollen diese Gemeinschaft mit ihm, der reines, lauteres Licht ist, haben.

Gerade das wollte Johannes. In dieser „Gemeinschaft mit Gott“ besteht wesentlich das „Christ-Sein“. Aber nun kann etwas Erschreckendes geschehen. Johannes sieht es offenbar als Wirklichkeit in den Gemeinden. Christen behaupten, Gemeinschaft mit Gott zu haben, aber ihr „Wandel“, also ihr faktisches Leben, vollzieht sich „in der Finsternis“. Johannes macht diesen Satz gerade dadurch so herausfordernd und wirksam, daß er ihn nicht „erklärt“ und sich nicht in irgendeine Diskussion über ihn einläßt. Du selbst prüfe dein Leben! Vollzieht sich dein tatsächliches Leben „im Licht“? Oder wird es auf bestimmten Gebieten von dunklen Kräften und Gewalten bestimmt? Wir haben dabei besonders an das „Hassen“ des Bruders zu denken, von dem Johannes noch mehrfach sprechen wird. „Haß“ ist im besonderen Maße „Finsternis“.

Oder verbergen wir auch sonst Teile unseres Lebens vor Gott in einem Dunkel, in das wir uns flüchten? Eines, sagt Johannes, ist dann klar: wir „lügen“, ob wir uns dessen bewußt sind oder nicht. Wir mögen dann noch mancherlei „Wahrheiten“ aussprechen, auch richtige, fromme und biblische Wahrheiten; aber wir „tun die Wahrheit nicht“. Die „Wahrheit“ ist dazu da, nicht nur „gewußt“, sondern „getan“ und „gelebt“ zu werden. Die Frage nach dem „Tun“ ist für Johannes unmittelbar gegeben. Leben ist ein unaufhörliches „Tun“. Und dieses „Tun“ wird entweder von der Wahrheit bestimmt, die uns in unserer realen Gemeinschaft mit Gott gegeben ist; dann „tun wir die Wahrheit“. Oder unser faktisches Leben widerspricht der Wahrheit, die wir kennen und von der wir reden, dann „lügen“ wir in einer Weise, die gefährlicher ist als das, was wir im üblichen moralischen Sinn unter „Lüge“ verstehen.

© Werner de Boor, Die Briefe des Johannes, Seite 34 bis 37

So wie wir durch die Verkündigung des Evangeliums und durch unsere gläubige Reaktion in eine lebendige Beziehung des Gebens und Nehmens zu Gott und untereinander gekommen sind, so steht und fällt diese Gemeinschaft mit unserer Lebenspraxis.

Nicht die Theorie und unser Reden entscheiden über die gelebte Gemeinschaft, sondern die Praxis unseres Lebens, unser Alltagsgottesdienst, die Frage, ob wir z.B. nur an uns denken – weil das doch sowieso alle tun, die Frage, wie wir es mit dem Reden übereinander halten. Finsternis ist alles das, was nicht zu Gott und deshalb auch nicht zu einem Christen passen kann! Finsternis ist der Herrschaftsbereich des Teufels – dort herrscht die Selbstverwirklichung. Dort bestimmt der Egoismus. Dort regiert der Individualismus. Dort bin ich allein der Maßstab und mir selbst der Nächste. Dort nehme ich keine Rücksicht, dort nehme ich mir alle Freiheiten heraus.

Eines ist dabei noch wichtig zu sagen, auch wenn dies ein Vorgriff auf den nächsten Sonntag sein wird und sich auf die nächsten Verse bezieht! Es geht Johannes – wie in der Bibel überhaupt – nicht darum, dass wir als Christen nicht mehr sündigen. Überall in der Bibel wird von der Schuld und Sünde, auch und gerade der frommen Leute gesprochen. Wir brauchen nur an David und seinen Ehebruch zu denken.

Nein, wir werden hier von Johannes nicht zu einem sündlosen Leben aufgefordert – nur einen Vers weiter (1. Johannes 1, Vers 8) nennt er die, die behaupten als Christen nicht zu sündigen, Lügner! – wir werden hier von ihm zur Wahrheit herausgefordert: Sünde auch Sünde zu nennen und die Schuld nicht schön zu reden. Schwarzarbeit ist Diebstahl und kein Gelegenheitsjob! Abtreibung ist Mord und keine Verhütung! Pornografie ist Ehebruch und keine Diashow. Nachtragende Unversöhnlichkeit schließt von der Vergebung Gottes aus und ist nicht einfach nur menschlich!

Der Maßstab für unser Leben als Christen ist nicht die jeweils am Zeitgeist orientierte Moralvorstellung, sondern diese einfache alte und ewig gültige Botschaft: Gott ist Licht, und keine Finsternis ist in ihm. Wenn wir sagen, daß wir Gemeinschaft mit ihm haben, und doch in der Finsternis leben, lügen wir und tun nicht die Wahrheit.

Sünde trennt uns nicht nur von Gott, sie zerstört auch die christliche Gemeinschaft!

Das Wort des Lebens – Christus selbst – den Aposteln geoffenbart und uns verkündigt, ruft uns in Leben, ins Licht, in die Gemeinschaft mit Gott und untereinander.



Krefeld, den 3. Juli 2005
Pastor Siegfried Ochs



Anmerkungen, Fragen und Kritik an: